Was ist Partizipation?
Das Wort Partizipation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich ‚Teilhabe' oder ‚Teilnahme'. Heute wird der Begriff ‚Partizipation' in vielfältiger Weise verwendet. Umgangssprachlich wird darunter die Mitwirkung an Entscheidungen verstanden, die sowohl das eigene Leben als auch das einer größeren Gemeinschaft betreffen. Diese Definition wird auch hier zugrunde gelegt. Es geht um die Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern an Entscheidungen in Unterricht und Schulleben, die ihr eigenes Lernen und Leben in der Schule und das der gesamten Schulgemeinde betreffen. Die Beteiligung an Entscheidungsprozessen bedeutet zugleich auch die Mitverantwortung für die Konsequenzen dieser Entscheidung. Partizipation und Verantwortung sind zwei Seiten einer Medaille.
Jede Schulform braucht Partizipation
Partizipation ist nicht ein Zugeständnis von Bildungspolitik und Schulverwaltung an Schülerinnen und Schüler. Partizipation ist das Recht der Schülerinnen und Schüler sich als Subjekte ihres Lernens und Lebens an allen Diskussionen und Entscheidungen in der Schule zu beteiligen, ihre Interessen einzubringen und gemeinsam mit den anderen an Schule Beteiligten und für Schule Verantwortlichen Lösungen zu entwickeln, zu realisieren, zu kontrollieren und gegebenenfalls zu verändern.
Partizipation sollte und kann in jeder Schule verwirklicht werden, unabhängig von der Schulstufe oder Schulform, von Halbtags- oder Ganztagsbetrieb. Wenn in einer Schule Wissensvermittlung und Persönlichkeitsentwicklung nicht gleichermaßen wichtig genommen werden, dann ist Partizipation schwerer zu verwirklichen. In einer Schule, die bestimmt ist durch Wissensvermittlung im Fachunterricht durch spezielle Fachlehrerinnen und -lehrer, durch knappe Zeit- und Personalressourcen und durch die Möglichkeit der Selektion von Schülerinnen und Schülern, die ‚den Anforderungen nicht genügen', wird Partizipation von Schülerinnen und Schülern dann häufig als ‚Zusatzarbeit' und weitere Erschwernis angesehen.
Sicher ist Partizipation keine Methode zur Beseitigung kurzfristiger Störfaktoren. Sie ist in erster Linie eine Haltung anderen Menschen gegenüber und des respektvollen Umgangs miteinander. Das Einführen von Partizipation setzt die Bereitschaft voraus, den bisherigen Umgang miteinander und das Schulklima zu reflektieren und auch über eigene Verhaltensänderungen nachzudenken. Langfristig aber fördern Schulen, die ihren Schülerinnen und Schülern Partizipation zugestehen, deren Lernmotivation und Lernleistung.


