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Beteiligung im Schulleben

Zu den Aufgaben von Schule gehört neben der Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten auch die Entfaltung persönlicher und sozialer Kompetenzen. Partizipation bedeutet in diesem Zusammenhang, Schülerinnen und Schülern Verantwortung für sich selbst und ihr Zusammenleben und die Gestaltung von Schule zu übertragen. In der Praxis entwickelt sich im Schulleben Partizipation nur nach und nach. Stärker als im Kernbereich von Schule, dem Unterricht, werden Schülerinnen und Schülern im außerunterrichtlichen Bereich Beteiligungsmöglichkeiten zugestanden. So nannten bei einer Befragung in Sachsen-Anhalt Schülerinnen und Schüler am häufigsten die Beteiligung bei der Ausgestaltung der Klassen- und sonstiger Schulräume, die Mitgestaltung von Projekten und Projektwochen, die Auswahl von Freizeitangeboten und die Organisation von Ausflügen und Schulveranstaltungen (Grundmann / Kramer 2001, 59 ff.).

Seit den 90er Jahren mit der zunehmenden Diskussion um Gewalt in der Schule und den Schwierigkeiten ihrer Bewältigung wird das Konfliktmanagement immer häufiger der Mitverantwortung von Schülerinnen und Schülern übertragen. Die Möglichkeiten, schon bei der Aufstellung der Regeln für das Zusammenleben in der Schule, wie sie in den Hausordnungen der Schulen niedergelegt sind, mitzuentscheiden, sind allerdings nicht im gleichen Maße gewachsen. Auch in der bereits erwähnten Untersuchung an Schulen in Sachsen-Anhalt erklärten z.B. nur 19% der Schülerinnen und Schüler, sie dürften bei Erstellung der Hausordnung mitentscheiden, dagegen fühlten sich ca. 42% vollkommen und 39% weitgehend davon ausgeschlossen.

Beteiligung von Schülerinnen und Schülern kann kontinuierlich in den schulischen Alltag integriert und/oder in besonderen Projekten realisiert werden. Viele der Partizipationskonzepte bzw. -projekte schließen an die Erfahrungen der "Peer-Education" an. Peer-Education nutzt die besonderen Einflussmöglichkeiten, die Gleichaltrige aufeinander haben. "Als Peer-Education ist die Situation bzw. das Arrangement zu verstehen, in der sich Jugendliche für Jugendliche engagieren, d.h. Angehörige einer gleichen sozialen formellen und/oder informellen Gruppe informieren und beraten sich gegenseitig, wobei das Prinzip der Freiwilligkeit maßgeblich ist. In der Praxis bedeutet dies, dass eine kleine Gruppe (z.B. Projektteam, Gruppenleiterinnen und -leiter, Team der Peer-Educatorinnen und Educatoren) versucht, bei einer größeren Gruppe (z.B. Projektgruppe, Jugendverbandsgruppe, Schulklasse) Informationen zu einem bestimmten Thema einzubringen und sukzessive Lernprozesse zu initiieren." (Apel 2003, S. 17) Auch wenn es große Übereinstimmungen gibt, sind Peer-Projekte nicht per se partizipativ. Damit sie zu Partizipations-Projekten werden, müssen sich Schülerinnen und Schüler aus eigenem Interesse für eine Teilnahme entscheiden können bzw. von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern ausgewählt oder bestätigt werden. Erwartungen, Rollen und Aufgaben müssen offen formuliert werden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Peer-Projekten müssen als Fachleute akzeptiert und bereits in die Projektplanung eingebunden werden.

Die pädagogischen Ansätze, die sich für eine Beteiligung von Schülerinnen und Schülern anbieten, sind vielseitig. Damit sie erfolgreich umgesetzt werden können,

  • müssen sie im Schulprogramm verankert sein
  • müssen Schülerinnen und Schüler als Fachleute für ihr eigenes Leben anerkannt werden
  • ist die aktive Unterstützung von Schulleitung, Lehrkräften und möglichst auch der Eltern erforderlich
  • muss ihr Ziel die reale Einflussnahme durch die Schülerinnen und Schüler sein und jede Instrumentalisierung vermieden werden.
  • sollte das besondere Engagement der Schülerinnen und Schüler mit einer formellen Bestätigung in Form einer "Ehrenamtsurkunde" gewürdigt werden.

Partizipation im Schulleben ist in allen Schulstufen und -formen und in allen Bereichen möglich und bereits gut dokumentiert - bei der Übernahme von Verantwortung für sich selbst, für andere und anderes im sozialen, ökologischen kulturellen und medialen Bereich.

Literatur und Links

Apel, Elard: 
Peer-Education - Eine historische Betrachtung aus Sicht der Jugendverbandsarbeit, 
in: Nörber, Martin (Hg.): Peer Education - Bildung und Erziehung von Gleichaltrigen durch Gleichaltrige. 1.Aufl. 2003 Beltz Votum, Weinheim, Basel, Berlin, 2004 Juventa Weinheim, S. 16-37

"Bildung für eine nachhaltige Entwicklung": 
Rheinland-pfälzischer Modellversuch: Förderung von partizipativem Lernen durch Beteiligung der Schulen in lokalen Agenda-Prozessen insbesondere zu den thematischen Schwerpunkten Umwelt, Gesundheit und Entwicklung, Ansprechpartnerin: Carola Nolten-Heinrichs,
Mail: Carola.Nolten-Heinrichs@mbfj.rlp.de, Web: www.blk21-rlp.de

Grundmann, Gunhild / Kramer, Rolf-Torsten: 
Partizipation als schulische Dimension - Demokratische Reformhoffnungen zwischen schulischen Gestaltungsmöglichkeiten und strukturellen Bedingungen, 
in: Böhme, Jeanette / Kramer, Rolf-Torsten (Hg.): Partizipation in der Schule, Leske + Budrich, Opladen 2001, S. 59-92

Nörber, Martin (Hg.): 
Peer Education - Bildung und Erziehung von Gleichaltrigen durch Gleichaltrige, 
1. Aufl. 2003 Beltz Votum, Weinheim, Basel, Berlin, 2004 Juventa Weinheim

Portmann, Rosemarie: 
Kinder gestalten Gemeinschaft. 
Demokratie braucht gegenseitige Anerkennung und Rechtsbewusstsein. Orientierungshilfen und Praxisbeispiele für die Klassen 3 bis 6, Mainz 1998
Herausgeber: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Rheinland-Pfalz